Die CCXP 2019 aus der Sicht eines Indie-Autors

01.07.2019 | #Event #Backstage

Eben aus Köln zurück fasse ich meine Gedanken als Indie-Aussteller auf der CCXP 2019 zusammen.

CCXP 2019

Anstrengende vier Messetage liegen hinter mir. Die CCXP als Nachfolge der RPC hat bei mir gemischte Gefühle hinterlassen. Ich würde sie in Summe als positiv beurteilen. Aber der Reihe nach:

Ich hatte das Glück, einen gesponsorten Stand in der “Best of Independent” Zone zu ergattern. Gerade mal vier Stände gab es dort. Neben Ludus Leonis waren Die DORP, Nackter Stahl und Truant Spiele meine lieben Nachbarn (von links nach rechts in der Stand-Zeile).

Was die Stände angeht, hat die Köln Messe für uns Kleine ordentliche Arbeit und Service hingelegt: professionelles Aussehen, Rückwände (sogar mit Logo als Branding), verschließbares Lager und die Tische waren in einen soliden Korpus gefasst. Dazu Aussteller- und Parkkarten und alle nötigen Infos vorab. Damals, zu RPC-Zeiten, war das nicht selbstverständlich. Da musste man schon mal nachträglich als Fandom-Tisch überhaupt die Standfläche reklamieren, vor Ort Ausstellerkarten nachordern, oder Tische und Sesseln selbst aus einem Lagerbereich heran karren und den Boden kehren.

Ich hatte direkten Blick auf den Playground, die Sitz-und-Spiel-Zone. Die war hoch professionell ausgestattet, mit unterschiedlich hohen Tischen, Designer-Stühlen und attraktivem Teppich. Auch kein Vergleich zu früher, wo die Spielzone eine unattraktive Tischansammlung war. Ebenso die Gänge und die Halle: alles sauber, hell und einladend.

Als Indie-Verlag bin ich auf Messen keine großen Absatzzahlen gewohnt. Ich bin dort, um mit Fans zu plaudern, Freunde aus der Szene zu treffen, dem einen oder anderen Neuling das Hobby zu erklären und nebenbei ein paar Exemplare zu verkaufen. Das war auch heuer wieder so. Also eine Messe wie jede andere für mich. Erfolgreich genug, dass ich es nicht bereue, aus Wien angereist zu sein, ein Hotel bezahlt und vier Tage Urlaub am Stand gemacht zu haben. Unterm Strich steige ich mit mehr oder weniger Null aus. Was bleibt, ist die Publicity für NIP’AJIN und mein aktuelles Crowdfunding. Letzteres haben zwei Personen sogar direkt am Stand am Handy unterstützt – vielen vielen Dank!

Was weniger geklappt hat … waren die Besucherzahlen und Öffnungszeiten. Wobei mit der Besucherzahl am Stand war ich in Summe ganz zufrieden, aber nicht mit deren Verteilung über die Tage. Es nutzt die schöne Halle und der Playground nichts, wenn alles optisch leer bleibt. Den Donnerstag hätte man ersatzlos streichen können, da war wohl mehr Personal in der Halle als Besucher. An den anderen Tagen wären die Extrastunde vor dem offiziellen Start für VIPs und die letzten zwei Stunden jeweils vor dem offiziellen Schluss um 21 Uhr nicht nötig gewesen. VIPs gab es kaum und gegen 18:30 waren die meisten Besucher schon wieder weg. Diesen langen Öffnungszeiten ist auch geschuldet, dass viele kleinere Verlage erst gar nicht da waren. Mit einem kurzen Freitag (zum Sparpreis) und einem normalen Wochenende wäre es auch gut gewesen.

A propos Preis. Der war wohl auch ein Hauptgrund, warum kaum Besucher da waren. Tagespreise, zu denen früher ein Wochenende zu haben war, sind wohl ein Killerkriterium für viele Besucher gewesen. Für das Geld hätte es auch mehr als zwei Hallen Programm gebraucht – ich wäre als regulärer Besucher auch sehr enttäuscht gewesen.

Die RPC mit einer Comic-Con zu verheiraten und ein breiteres Nerdtum anzusprechen finde ich grundsätzlich eine gute Idee. Es hätte der CCXP aber gut getan, sie nicht zeitgleich mit einer weiteren Comic-Messe in Stuttgart zu veranstalten. Außerdem wäre ein behutsamer Wechsel vom RPC-Modell besser gewesen, statt die Hälfte vom Bewährten zu streichen und anzunehmen, was im Ausland auf Comic-Cons geht, auch die Rollenspieler mitmachen werden.

Ich bin als kleiner Aussteller also zufrieden. Ich muss aber zugeben, dass ich das eher in die Kategorie Glück gehabt stelle und kann verstehen, dass die meisten Stände – Rollenspielverlage wie andere Händler – das nicht so sehen. Wer für die Standfläche normale Beträge hinblättern musste, für den wird die Messe höchst Wahrscheinlich ein Desaster gewesen sein.

Mein Tipp an die Köln Messe ist also: Zielgruppe(n) etwas besser verstehen und bewerben, Ticketpreise anpassen und das Event kürzer machen.

Jetzt gönne ich mir noch einen Tag Ruhe, ehe der Kickstarter wieder ruft.

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